Lokalanzeiger Süd-Ost der Berliner Morgenpost Online vom 21.06.2002 Oberstufenschüler bauen Mahnmal Eine Treppe ins Nirgendwo erinnert an Zwangsarbeiter Von Christiane Freiwald-Jerusalem Altglienicke - «Wir waren damals junge Leute wie ihr heute, als man uns hierher zur schweren Sklavenarbeit geholt hat. Wir ließen hier unser Blut und unsere Tränen. Liebe Jugend, wir sind überrascht und gerührt, dass ihr mit eurer wunderbaren Idee ein Denkmal für Zwangsarbeit schaffen wollt.» Stolz über das Lob legt Tom (17), Schüler der Klasse VZ 14 am Oberstufenzentrum Holztechnik, das Schreiben einer ehemaligen polnischen Zwangsarbeiterin zu den gesammelten Unterlagen für ihr umfangreiches Projekt: Gemeinsam mit Schülern der Knobelsdorff-Schule aus Spandau, des Oberstufenzentrums Bautechnik aus Weißensee und der Carl-Legien-Oberschule aus Neukölln arbeiten die Jugendlichen an einem Mahnmal auf ihrem Schulgrundstück. Das «Denkzeichen Zwangsarbeit» soll an das unrühmliche Kapitel deutscher Geschichte erinnern und gleichzeitig eine Mahnung gegen rechtsradikale Tendenzen sein und für den offenen, toleranten Umgang miteinander. Das Projekt war ins Rollen gekommen, nachdem die Schule im Sommer 2000 vom Heimatmuseum Köpenick den Hinweis bekommen hatte, dass sich auf dem Schulgelände ein Zwangsarbeiterlager befunden hatte. 4800 Gefangene aus Italien und Frankreich und sowjetische Zwangsarbeiter lebten in den letzten Kriegsjahren in 39 Baracken in dem Lager Am Kiesberg. In den späteren Jahren wurde in den Gebäude teilweise eine Geflügelfarm betrieben, das Schulgebäude nutzte zwischenzeitlich die Bau-Union. Die meisten Baracken sind abgerissen worden, einige erst in der letzten Zeit durch den Autobahnbau. Die Oberschule bemüht sich, eine der noch verbliebenen zu erhalten und in eine Begegnungsstätte umzubauen. Bei der Anfertigung von Collagen über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Schule entstand die Idee, ein Mahnmal zu bauen. Die Schüler entwarfen ein Modell, bildeten eine Dokumentationsgruppe, holten sich mit Lothar Oertel einen Künstler, der bei der Umsetzung half. Treffen mit polnischen Zwangsarbeitern, ein Besuch einer polnischen Schule gehörten mit zur Aufarbeitung des Themas im Unterricht. Annette Hackert, Sozialpädagogin an der Schule mit rund 1500 Schülern, ist begeistert über das Engagement der jungen Leute. Fachpraxislehrer Hans Edelhäuser konnte mit Arbeiten seiner Schüler schon mehrere Preise gewinnen, darunter auch den Victor-Klemperer-Wettbewerb 2002 des Bündnisses für Demokratie und Toleranz. Er freut sich, dass durch die praktische Arbeit die Zensuren der Schüler deutlich besser geworden sind. Richtfest des «Denkzeichens» ist am 29. Juni um 11 Uhr an der Rudower Straße 18. Bis dahin müssen die Schülergruppen noch die Holzwände für das begehbare Labyrinth errichten. Die Treppe ins Nirgendwo, die an die Ausweglosigkeit der Lagerinsassen erinnert, ist bereits fertig. Die Holzwände sollen später begrünt werden als Zeichen der Hoffnung, dass sich Ähnliches nie wiederholt. Diesen Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL http://www.morgenpost.de/archiv2002/020621/lokalanzeiger_so/story528883.html