Italienische Militärinternierte
 und "Italienerlager"

Erinnerungsprojekte zu einem vergessenen Thema

 

Workshop

27. November 2003, 10:00 - 18:00 Uhr
Hasselwerder Str. 22, 12439 Berlin (S-Bhf Berlin-Schöneweide)

 

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Einführung

Italienerlager

1993 wurde in Schöneweide ein ehemaliges Zwangsarbeiterlager entdeckt - das letzte in Berlin noch komplett erhaltene. In diesem sogenannten "Italienerlager" waren unter anderem Italienische Militärinternierte untergebracht. 2001 gründete sich ein Förderverein, der in den leerstehenden Baracken ein Dokumentations- und Begegnungszentrum zur NS-Zwangsarbeit in Berlin einrichten will. Auf dem Weg zu diesem eher langfristigen Ziel wollen die Berliner Geschichtswerkstatt und der Förderverein mit verschiedenen Projekten die Erinnerungsarbeit zur NS-Zwangsarbeit fortsetzen.
Der nun geplante Workshop bildet den Abschluss der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Blicke auf das Lager - Erinnern und Begegnen". Gleichzeitig dient er zur Vorbereitung des neuen Projekt-Schwerpunkts "Italienerlager", der sich vor allem den Italienischen Militärinternierten widmen wird.

Italienische Militärinternierte

Nachdem Marschall Badoglio im Juli 1943 die Regierung Mussolini abgesetzt und im September einen Waffenstillstand mit den Alliierten geschlossen hatte, wurden alle italienischen Soldaten gefangen genommen. Als sogenannte Militärinternierte wurde ihnen der von der Genfer Konvention geschützte Kriegsgefangenenstatus verwehrt. Rund 600 000 Militärinternierte (IMIs) wurden in die Lager im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten verschleppt und zur Zwangsarbeit eingesetzt; viele von ihnen kamen auch nach Berlin. Die meisten lehnten die angebotene Kollaboration mit der faschistischen Seite ab.
Auf der politisch-rassistisch Diskriminierungsskala der Nationalsozialisten waren die ehemaligen Verbündeten nun plötzlich ganz weit unten angesiedelt; die deutsche Bevölkerung beschimpfte sie als "Verräter" und "Badoglios". Im Herbst 1944 wurden sie auf Drängen von Rüstungsminister Speer im Zuge des Erlasses zum Totalen Kriegseinsatz in ein Zivilarbeitsverhältnis überführt. Heute wird dieser Statuswechsel von der Bundesregierung als nicht wirksam betrachtet, so dass etwa 90 000 Überlebende als Kriegsgefangene gelten und damit von den Zahlungen nach dem Entschädigungsgesetz ausgeschlossen bleiben.

Erinnerungsprojekte

Aufgrund eines fragwürdigen Gefälligkeitsgutachtens hat die rot-grüne Bundesregierung die Italienischen Militärinternierten von der Zwangsarbeiter-Entschädigung ausgeschlossen. Auch seitens der italienischen Regierung erhielten die IMIs keine Unterstützung. In der öffentlichen Erinnerung in beiden Ländern war ihre Verschleppung und Zwangsarbeit lange Zeit ein vergessenes Thema. Kaum eine Gedenkstätte erinnert an ihr Leiden. Beiderseits der Alpen gibt es aber Initiativen, die oft auf lokaler Basis und in Zusammenarbeit mit ZeitzeugInnen forschen, informieren und erinnern. Viele beschäftigen sich mit Fragen wie:
Wie kann die Erinnerung an die Militärinternierten bewahrt und in eine aktive, antirassistische Friedens- und Bildungsarbeit umgesetzt werden? Wie prägt die gemeinsame Geschichte das heutige Verhältnis zwischen ItalienerInnen und Deutschen im vereinten Europa? Gibt es noch Möglichkeiten für eine finanzielle Entschädigung und/oder eine symbolische Anerkennung? Welche Erfahrungen gibt es mit ZeitzeugInnen einerseits, mit Schulprojekten andererseits? Wie können sich die einzelnen Initiativen zusammen arbeiten?
Auf unserem Workshop suchen wir den Gedankenaustausch mit anderen ExpertInnen und Initiativen. Wir laden dazu ein, Ideen für Ausstellungs-, Begegnungs- und Bildungsprojekte zu Italienischen Militärinternierten vorzustellen und zu diskutieren. Statt einer wissenschaftlichen Konferenz wird ein eher internes Seminar zur Ideenfindung und Vernetzung angestrebt, bei dem die Vermittlungsarbeit und die Entschädigungsfrage eine wichtige Rolle spielen sollen.

 

 

Programm

Eva Mendl, Kulturstadträtin Treptow-Köpenick (Berlin)
Begrüßung

10.00 Forschungs- und Vermittlungsarbeit

Cord Pagenstecher, Berliner Geschichtswerkstatt (Berlin)
Einführung und Moderation

Martin Seckendorf, Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung (Berlin)
Historischer Rahmen

Jens Nagel, Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain (Sachsen)
Ein Erinnerungsort in Deutschland

11.30 Vermittlungsarbeit und Entschädigungspolitik

Gisela Wenzel, Berliner Geschichtswerkstatt (Berlin)
Moderation

Valter Merazzi, Istituto di Storia Contemporanea "Pier Amato Perretta" (Como)
Thomas Radigk, Journalist (Rom)
Ein Ausstellungsprojekt in Italien

Guido Ambrosino, Journalist (Berlin)
Entschädigung und Politik

13.00 Imbiss

14.00 Führung über das ehemaligen Zwangsarbeiterlager

15.00 Zeitzeugen- und Schülerbegegnungen

D. Geppert, Berliner Geschichtswerkstatt und G. Layer-Jung, Bund der Antifaschisten (Berlin)
Moderation

Martin Gerlach, Kids & Co. e. V. (Berlin)
Pädagogische Arbeit mit bikulturellen Jugendgruppen

Bärbel Becker/Cord Pagenstecher (Berlin)
Schülerprojekt mit einer Schule aus Villa Minozzo (RE) in Schöneweide

Claudio Casetti, Stadtführer und Dozent (Berlin)
Erfahrungen mit italienischen Besuchsgruppen in Berlin

Tanja Kinzel, Initiativkreis Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen
Erfahrungen in der Jugendarbeit zu NS-Themen 

17.00 Abschlussrunde

 

> Fotos

> Dokumentation

 

Webseiten, Pressemeldungen und Infos

Hier haben wir einige Internet-Adressen zusammengestellt, die Informationen zu Militärinternierte und/oder zu TeilnehmerInnen des Workshops bieten. Bei dieser vorläufigen Zusammenstellung handelt es sich nicht unbedingt um autorisierte oder aktualisierte Selbstdarstellungen. Laufend ergänzt werden Pressemeldungen über das aktuelle Entschädigungsverfahren.

> http://www.berliner-geschichtswerkstatt.de/zwangsarbeit/imi-infos.htm

 

> Weitere Veranstaltungen im Sommer 2003

Förderverein Zwangsarbeiterlager Berlin-Schöneweide

http://www.zwangsarbeit-in-berlin.de

© Cord Pagenstecher